Das überschätzte Talent – warum Begabung überflüssig ist

Talent

Es gibt atemberaubende Geschichten über Menschen mit ebenso atemberaubendem Talent und Fähigkeiten. Einstein soll einen IQ von 180 gehabt haben (woher auch immer man so etwas zu wissen glaubt). Jedenfalls wäre es dann ja kein Wunder, dass er die Relativitätstheorie begründet hat – er war einfach unglaublich begabt. Aber ist unser Talent und unserer Begabung wirklich so entscheidend dafür, was wir im Leben erreichen? Ich glaube nicht. Tatsächlich halte ich das Gerede von Begabung, Talent und Intelligenz sogar für ziemlich kontraproduktiv.

Bist du ein Super-Talent?

Wir fokussieren uns gerne auf das Vorhandensein von Talent. Wenn Talent aber etwas ist, was wir entweder haben oder eben nicht und wir Talent benötigen, um etwas bestimmtes zu erreichen, dann können wir nicht beeinflussen, ob wir an unser Ziel kommen. Wir ruhen uns auf unseren Misserfolgen aus. Wir können es ja gar nicht erreichen. Wir haben ja nicht das notwendige Talent dazu.

Der Fokus auf Talent oder Intelligenz als Kategorien der Bewertung geht soweit, dass ganze staatliche Förderungs- und Unterstützungssysteme darauf aufgebaut werden. In Deutschland werden Talente gefördert. Es gibt einen „Kampf um die größten Talente“ und ein Stipendium bekommt bei uns, wer begabt ist – nicht wer emsig ist.

Es ist nicht erst die Forschung von Angela Lee Duckworth, die aufgezeigt hat, dass alle Maßstäbe für Intelligenz und Talent (nichts anderes sind Intelligenzquotienten – IQ – oder Emotionsquotienten – EQ) für Zielerreichungen jeglicher Art eine absolut untergeordnete Rolle spielen.

Bei näherer Betrachtung ist das auch ultimativ einleuchtend: Wer ein talentierter Geiger ist, aber nicht übt, der mag zwar besser Geige spielen als jemand ohne dieses Talent. Ein herausragender Geiger wird er dadurch nicht. Vergleicht man jedoch den talentierten, aber faulen Geiger mit einem untalentierten, aber fleißigen Geiger, wird –aller Wahrscheinlichkeit nach – der fleißige Geiger gewinnen.

Aufhören oder weitermachen?

Entscheidend dafür, dass wir bestimmte Aufgaben meistern, ist viel eher unser Durchhaltevermögen, unser Biss und unsere Ausdauer. Lernen ist verstehen und Wiederholen. Ohne Wiederholung und stetiges Arbeiten lernen wir nicht. Es gibt effektives Lernen und weniger effektives Lernen. Mehr als alles andere beim Lernen ist aber entscheidend, dass wir kontinuierlich lernen und einfach immer weitermachen. Wenn wir heute Motivationstiefs und Rückschläge aussitzen und sie nutzen, um unsere Fähigkeiten zu schulen, dann werden wir morgen besser sein. Wenn wir hingegen immer aufhören, wenn es ungemütlich wird, dann werden wir morgen nicht besser sein, sondern haben schlichtweg aufgegeben.

4 gegen Talente

Es gibt gleich mehrere Gründe, warum ich meine, dass wir unseren Fokus vom Talent weglenken und stattdessen mehr auf das Durchhaltevermögen achten sollten.

  1. Wir tun erfolgreichen Menschen extrem unrecht, wenn wir ihren Erfolg maßgeblich auf ihr Talent schieben. Nach allem was wir wissen, ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Menschen einfach auch unglaublich hart und emsig an sich und ihren Aufgaben gearbeitet haben, um ihre Ziele zu erreichen. Allein, dass wir diese Anstrengung nicht sehen oder nicht sehen wollen, heißt nicht, dass sie nicht da war oder ist.
  2. Wenn wir darüber nachdenken, ob wir Talent haben, ob wir Intelligent sind oder nicht, akzeptieren wir, dass unsere Situation zu einem maßgeblichen Teil nicht von uns verantwortet wird. Niemand aber außer uns selbst, trägt die Verantwortung dafür, dass wir tun, was wir tun.
  3. Wenn wir Lernenden Talent zusprechen, dann laufen wir Gefahr, diesen Menschen zu vermitteln, dass es nicht in erster Linie Übung, sondern unbeeinflussbare Voraussetzungen sind, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
  4. Wenn etwas nicht so klappt, wie wir uns das vorgestellt haben, wenn wir Rückschläge erleiden und Talent der maßgebliche Erfolgsfaktor ist, dann werden Rückschläge auf einmal als Indiz gewertet, dass eben kein Talent vorliegt. Dabei sind Fehler, Misserfolge und Rückschläge ein wichtiger Bestandteil jedes Lernprozesses!

Die „geniale“ Beleidigung

Um es kurz zu machen: Wir sind wer wir sind. Aber es ist allein an uns, dass wir werden, wer wir werden wollen! Hören wir auf von Begabung, Talent und Intelligenz als unbeeinflussbare Naturgegebenheiten zu sprechen und vor allem: Hören wir auf Leute als „Genie“ zu beleidigen. Es ist nicht deren Schuld, dass wir nicht den Erfolg haben, den sie haben. Wenn wir meinen, dies sei erstrebenswerter Erfolg, dann sollten wir uns hinsetzen und anfangen zu üben 😉

Just for You:

    • Wenn du zweimal so lange brauchst wie deine Kommilitonen, um eine Seite im Lehrbuch zu verstehen, dann bedeutet das noch lange nicht, dass du zwingend einen schlechteren Abschluss machen wirst. Wenn du Sitzfleisch hast, Biss und kontinuierlich arbeitest, dann wirst du a) schneller lesen und b) deine (vermeintlichen!) Nachteile ausgleichen.
    • Wenn du auf die Nase fliegst, dann arbeite weiter. Es wird sich auszahlen. Wen würdest du lieber einstellen: Jemanden, der seine Fehler ausbügelt, oder jemanden, der noch nie Fehler gemacht hat? Wenn du Schwächen hast und an diesen Schwächen arbeitest, dann wird sich das auszahlen! Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen aber sicherlich nächste Woche.
    • Wenn du jemanden kennst, der herausragende Leistungen erbracht hat oder mitbekommst, dass jemand anderes gute Noten geschrieben hat: Versuchs mal mit Anerkennung und der Frage danach, was diese Person gemacht, getan und wie sie gearbeitet hat. Don’t just call her a genius 😉

Bleib bissig, bleib dran!

Jan-Felix

PS: Von Batman lernen, heißt siegen lernen 😉

Beitragsbild: Pexels @ Pixabay

Gut gelaunt lernt’s sich besser – die Stimmung zum Lernen

gute Stimmung

Natürlich ist Lernen ein strategischer Vorgang, natürlich ist Lernen etwas, das Fleiß und Beharrlichkeit voraussetzt. Lernen ist aber auch etwas, das in besonderer Weise von unserer Stimmung abhängt. In diesem Beitrag geht es um unsere Emotionen – und darum, wie wir unsere Stimmung „auffangen“ können, wenn sie mal in den Keller geht.

Dieser Beitrag ist Teil der Serie „Die 10 Goldenen Lernregeln“. Zu den weiteren Artikeln und dem Übersichtsbeitrag, gelangst du hier.

Es gibt nichts Schlimmeres als…





Es ist schon ziemlich schräg, oder? Den meisten Studis geht es materiell gesehen ziemlich gut. Die Karriereaussichten – selbst mit nur mäßigen Noten oder sogar ganz ohne Studienabschluss – sind nicht unbedingt so, dass man sich zwingend Sorgen machen müsste… und doch: Studis fühlen sich viel häufiger gestresst als der Rest der Otto-Normal-Bevölkerung und sind insbesondere in Prüfungszeiten geradezu obszön selbstmitleidig.

Als würde der Weltuntergang drohen.

Droht er aber nicht. Jedenfalls nicht wegen der anstehenden Prüfung(en). Nein, auch nicht, wenn es das Examen ist und… nein, auch nicht, wenn man die Prüfung nicht besteht  oder durch das Examen rasselt …

Natürlich gibt es Angenehmeres als etwas nicht zu bestehen. Natürlich. Aber es gibt eben auch Schlimmeres. Deutlich! Und wir sollten uns daran erinnern. Auch wenn es kitschig klingen mag: Es gibt so viel Schönes auf der Welt, in unserer Welt: Lasst uns daran denken!

In 3 Schritten von hier nach dort

Das vielleicht dämlichste an Selbstmitleid und selbstinduzierter depressiver Grundstimmung ist, dass es dem eigenen Vorhaben mehr als alles andere abträglich ist. Wie wahrscheinlich ist es wohl, dass ich mich aufraffen kann, auf die Prüfung zu lernen, wenn alles, was ich mit der Prüfung verbinde, die Angst ist, dass ich sie schlecht schreiben könnte?

Um ordentlich zu lernen, brauchen wir eben nicht nur eine gute Strategie, wir brauchen auch eine Stimmung, in der wir in der Lage sind, etwas Neues zu schaffen. Genauer sind es „drei S“:

1. eine konstruktive Stimmung, 2. eine konstruktive Story und 3. eine konstruktive Strategie.




1. Heb deine Stimmung!

Schlechte Laune ist ein klares Anzeichen dafür, dass du nicht zufrieden bist. Ach nee… Doch warum sind wir unzufrieden? In der Regel, weil etwas nicht so abläuft, wie wir uns das vorstellen. Identifiziere folgende mögliche Ursachen:

a. Dein Körper rebelliert – Bist du verkatert, müde, hast du Durst oder Hunger? Du wirst lachen, aber verdammt häufig ist nichts weiteres Ursache schlechter Laune als ein grummelnder Magen, eine trockene Kehle oder eine laufende Nase. Wenn dein Körper dir diese Signale sendet, dann lass alles stehen und liegen und kümmere dich erstmal hierum. Vorher wird es nicht besser.

b. Du bist frustriert – Wenn die Dinge anders laufen als du dir das vorstellst, kann das zum einen Ursachen haben, die du kontrollieren kannst (Bsp: Wenn du bessere Noten schreiben möchtest, bereite dich besser vor) und zum anderen Ursachen, die du nicht kontrollieren kannst (Bsp: Der Dozent spricht so undeutlich, man kann ihn einfach nicht verstehen). Konzentriere dich lieber auf die Umstände, die du in der Hand hast – und überlege, wie du deine Frustration überwinden kannst!

Es klingt abgedroschen, ist aber einfach wahr: Der Fokus auf das, was dich unzufrieden macht, ist destruktiv. Fokussiere dich stattdessen auf folgende zwei Fragen:  Was ist das gute an der Situation? – Und was kannst du unternehmen, um die Situation (wenn auch nur ein Stück weit) zu verbessern?

2. Was ist deine Story?

Wir alle erzählen eine Geschichte von uns. Vor uns selbst, vor unseren Freunden, vor unserer Familie. Diese Geschichte kann sein: „Ich kann das nicht, ich versuche alles, doch ich habe immer Pech“. Diese Geschichte kann aber auch sein: „Ich könnte wenn ich wollte, ich will aber nicht, weil ich nicht muss. Mein Vater hat eine Kanzlei und Verbindungen, ich habe Beziehungen und die werden mich schon irgendwo hinbringen“.

An diesen Geschichten ist objektiv betrachtet überhaupt nichts falsch. Aber trotz allem sind es „nur“ Geschichten – die nicht nur vollkommen willkürlich gewählt und erzählt werden, sondern die auch in keinster Weise irgendwie weiterbringen: Denn in diesen Geschichten bist du abhängig vom Rest der Welt und kannst selbst nur wenig beeinflussen.

Mach dir klar, dass du deine Geschichte jederzeit ändern kannst! Selbst wenn du in der Schule eher „der Faule“, „der Pausenclown“ oder „die Unsportliche“ warst. Jetzt ist jetzt und du kannst dich in jedem Moment dazu entscheiden, eine neue Story von dir zu erzählen. Nichts und niemand hält dich davon ab.

Natürlich werden einige Personen diese neue Geschichte belächeln und sich lustig machen. Der Witz ist nur: Egal, ob diese (destruktiven) Personen aus deiner Familie, deinem „Freundeskreis“ oder deiner WG kommen – diese Personen werden immer belächeln, lästern und sich lustig machen. Ob du nun schlecht gelaunt bis oder gut gelaunt, ob du an dich glaubst oder nicht. Das eigentliche Problem liegt bei denen, nicht bei dir.  Wenn es dir hilft: Sie mögen mit einem Finger auf dich zeigen – während drei Finger auf sie selbst zeigen 😉

3. Was ist deine Strategie?

Auch wenn ich wirklich sehr gerne über optimale Lernstrategien nachdenke: Nichtwissen über geeignete Lernmethoden ist für die meisten Lernwilligen ebenso wenig ein Problem, wie es ein Problem der Abnehmwilligen ist, dass sie nicht wüssten, wie man abnimmt. Der Wille, es auch tatsächlich zu tun, ist die alles entscheidende Hürde! Bevor du überlegst wie du lernst, muss du entschieden haben, dass du lernen willst. Dafür musst du in der richtigen Stimmung sein und du musst dir eine Story erzählen, in der du „ein Lerner/eine Lernerin“ bist…

Wenn du das geschafft hast, dann kehre zurück zum ersten Beitrag dieser Serie und mache dir einen Plan. Einen Plan wie du von hier nach dort kommst, jetzt, da du entschieden hast, dass du dorthin willst.

Zusammenfassung

Absolut betrachtet, jammern die meisten von uns auf ziemlich hohem Niveau. Diese Erkenntnis hilft jedoch nicht weiter. Fokussiere dich auf das, was du kontrollieren kannst und auf das, was tatsächlich ziemlich gut läuft. Hol dich selbst aus dem Tal der Tränen, schreibe deine Geschichte neu und mach dir einen Plan. Der wichtigste Schritt ist immer der nächste: Also Kopf hoch und weiter!

 

 

Alles Gute und fleißige Grüße

 

Jan-Felix

PS: Mein Persönliches Ritual, um morgens gut eingestimmt in den Tag zu starten sieht so aus: Ich notiere ca. zwei Minuten je eine sehr kleine Sache für die ich dankbar bin (mein warme Decke, meinen heißen Kaffee, o.ä.) und eine größere Sache, die ich mir für Menschen wünsche, die mir wichtig sind. Ich habe festgestellt, dass echt gefühlte Dankbarkeit jede schlechte Laune und jeden fiesen Gedanken abstellt… Versuch mal ängstlich und dankbar gleichzeitig zu sein. Jede Wette: Das klappt nicht 😉




Mehr Abwechslung beim Lernen – learning by doing

Abwechslung

 

Abwechslung, oder: warum Lernen nervt

Denken wir ans Lernen, dann sehen wir uns förmlich einsam und allein an einem Schreibtisch sitzend. Etwas gekrümmt, die Ellenbogen aufgestützt und das Gesicht direkt über einem dicken, staubigen Buch. Seltener denken wir an Spaziergänge, entspannte Treffen mit Freunden und lockerem Schwingen in der Hängematte. Vieles spricht aber dafür, dass wir mit größerer Abwechslung nicht nur entspannter, sondern auch wesentlich effektiver lernen können. Dazu müssen wir nur das ein oder andere berücksichtigen…Dieser Beitrag ist #7 der Serie „Die 10 Goldenen Lernregeln“. Hier gehts zur Übersichtsseite der Lernserie.

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