Noten halten dich vom Lernen ab (und du kannst es ändern)

gewuerflete noten

Noten sind etwas Wunderbares. Die ganze Komplexität der Welt kondensiert in einer Zahl, einem Buchstaben oder einem Wort: Sehr gut! Leider führen Noten auch dazu, dass wir nicht mehr auf die Leistung dahinter schauen. Das ist aber notwendig, damit wir mit Noten tatsächlich auch arbeiten können – egal wie sie ausfallen!

Wir lieben Zahlen (… und Noten haben doch einen Sinn)

Ganz unabhängig davon, wie du zu Noten stehst – ob du sie genial findest, sie für einigermaßen sinnvoll oder für die Ausgeburt der didaktischen Hölle hältst – sie erfüllen eine Funktion: Sie machen uns das Leben leichter.

Klar kannst du einwenden: Zu leicht! Da wäre ich sogar oft auf deiner Seite. Du kannst aber nicht leugnen, dass Noten vieles einfacher machen:

Was du in einem Fach alles weißt und was nicht, wie deine Fortschritte waren und wie nicht, wie du im Vergleich zu vielen anderen abschneidest – all das ist meist nicht sehr einfach zu erklären. Da ist es sehr viel praktischer einfach zu sagen: Kandidat A zeigt eine „befriedigende“ Leistung – was auch immer das bedeuten mag.

Kurz: Noten sind ein etablierter Code sehr komplexe Leistungszusammenhänge auf einen kurzen Begriff zu bringen.

Wir vergleichen uns soooo gerne

Stell dir mal vor, wir müssten die Leistungen aller Schüler bis ins Unendliche differenziert darstellen und es dann vergleichen. Was wäre wohl das Ergebnis?

Ich rate mal: Wir würden entweder sagen „Die sind nicht vergleichbar!“, oder wir würden uns willkürlich ein Kriterium herausgreifen und daran vergleichen.

Kandidat A kam jeden Montag zu spät, Kandidat B kam montags pünktlich und ist daher besser.

Nicht sehr überzeugend.

Dies zeigt uns zweierlei: Erstens – wenn wir vergleichen wollen, dann müssen wir vereinfachen und zweitens – wenn wir vereinfachen, dann ist es doch allemal besser, wenn die Kriterien und Begriffe vorher feststehen oder?

Niemand mag Kids, die nach Anpfiff die Regeln ändern.

Die Welt ist kompliziert (und du bist es auch)

Vereinfachung ist gut. Manchmal.

Für dich und dein Lernen bringt es nichts. Jedenfalls nicht so.

Gerade weil Noten ein vereinfachender Sammelbegriff für unglaublich viele Leistungsparameter sind, können alle diese Parameter deine Noten beeinflussen.

Du ahnst es: Es ist noch nicht einmal wirklich klar, welche Parameter genau von Bedeutung sind und schon garnicht, dass es bei jeder Prüferin dieselben oder jedenfalls die gleichen sind (bei jedem Prüfer übrigens auch nicht :-). Nicht jede Prüferin tickt gleich… du ja auch nicht. Das kannst du als Ausrede verwenden einfach zu resignieren.

Oder du packst das an, was du anpacken kannst.

Allein, dass du einmal eine gute Note hattest, bedeutet leider nicht, dass du mit derselben Leistung nochmal eine gute Note bekommen würdest.

So einfach ist es leider nicht.

Du musst besser werden in dem, was du nicht gut kannst.

Nur wenn du Prüferinnen keinen Grund mehr geben kannst, schlechte Noten zu rechtfertigen, kannst du sicher sein.

Wann ist das?

Ganz ehrlich?

Nie.

Aber, wenn du deshalb nicht anfängst, den nächsten Schritt zu gehen und das besser zu machen, was du bis jetzt noch nicht gut machst, dann…

…brauchst du mehr Glück als dir lieb sein kann.

Wer in einer Sache gut ist und in anderen schlecht, muss auf das Glück setzen, einen Prüfer zu bekommen, der die gleichen Prioritäten setzt wie man selbst. 

Wer arbeitet, kann Pech haben – wer nicht arbeitet, braucht Glück.

Shit.

Nö. Musst dich halt hinsetzen und unabhängig werden vom Glück.

Easy.

Strategie: Automatisiere Reaktionen (IFTTT)

Auf Noten zu schauen, ist eine kontraproduktive Gewohnheit. Das nervt.. .but hey: Als Gewohnheit kannst du es ändern. Als Dranbleiber weißt du schon, wie du Gewohnheiten ändern kannst (sonst schau dir diesen Beitrag hier an – wenn du Gewohnheiten ändern kannst, kannst du fast alles ;-).

Mach’s mal konkret, dude!

Hast ja recht… Gewohnheiten sind mir nur irgendwie wichtig, sorry.

Der Schlüssel scheint mir zu sein: Hab einen Plan, was du tust, wenn du eine Note bekommst. Sei vorbereitet, wenn der Himmel auf Erden, notenmäßige Mittelerde oder eben Shit auf dich zukommt. Hab ein Szenario für jede Möglichkeit, einen Fahrplan, einen Automatismus.

Damit du nicht nachdenken musst, wenn die Emotionen zuschlagen.

Aus meinem Coaching habe ich gute Erfahrungen mit folgendem Grobmuster gemacht. Vorwarnend sei aber klargestellt, dass dieses Muster eine Richtlinie sein kann, nicht mehr. Jeder tickt anders: Auch Du tickst anders.

Case One: Heaven – gute Noten coming home!

Ausgangslage: Glückwunsch! Adrenalin war schon vor der Rückgabe der Klausur vorhanden: Jetzt schießt es durch den Körper als hätte jemand den Infusionsautomaten falsch eingestellt. Geil. Und hat Suchtpotential – mit allen Folgen (du brauchst mehr, immer mehr und gehst steil, wenn es ausbleibt).

Muster: Nachbereitung brauchst du nicht, Note war ja schon gut. Du feierst dich und dein Talent. Adrenalin wechselt den Stab mit Alkohol und Burgern. Der Lerntag hat für heute ausgedient.

Problem: Du weißt es besser. Du weißt, dass du nichts weißt. Und schon gar nicht genau, warum du diesmal diese Note bekommen hast. Und es hätte genau andersherum laufen können. Komm runter!

Case Two: Mittelerde – nichts Halbes, nichts Ganzes

Ausgangslage: Da hast du den Salat. Du bekommst eine Quittung, die dir sagt, dass du es kannst, aber auch dass du es eben nicht perfekt gemacht hast. Du bekommst die öffentliche Urkunde der Mittelmäßigkeit: Lauwarm und wäre es ein Gericht, würde man es wohl Nudeln-mit-Soße nennen. Dein Adrenalinspiegel weiß genauso wenig wie deine Zufriedenheit, in welche Richtung sie jetzt eigentlich soll.

Muster: Da du offensichtlich nicht alles falsch gemacht hast, brauchst du dir auch nicht genau anzuschauen, was falsch lief. Klar, du hattest zu wenig Zeit und kanntest Problem X nicht. Dafür brauchst du dir die Klausur nicht noch einmal durchzulesen. Weglegen!

Problem: Du weißt es besser. Mittelmaß mag keiner – nicht mal die Mittelmäßigen. Klopf dir auf die Schulter, aber nicht zu stark – es ist noch Luft nach oben. Gib dich nicht mit Ketchup zufrieden – man kann mit Nudeln so viel mehr machen!

Case Three: Shit !

Ausgangslage: Unglaube, Panik, Wut. Deine Augen huschen blitzschnell über die Klausur und suchen die Ungerechtigkeit. Da dieses Ergebnis nicht sein darf, muss irgendetwas schief gelaufen sein: Wo kann man sich über die Bewertung beschweren?

Muster: Erstens weißt du selbst, dass du nicht super warst. Warum nochmal anschauen? Warum solltest du dir das antun? Zweitens war die Bewertung auch streng, unfreundlich formuliert und sowieso: Ungerecht. Dafür kannst du ja nichts!

Problem: Es kann sein, dass die Bewertung ungerecht ist und das man die Kritik, die du abbekommst, auch anders formulieren könnte. Der Witz ist nur (echt lustig): Du hast die Klausur geschrieben, um bewertet zu werden. Es hat einen Sinn, dass nicht jeder seine eigene Leistung bewertet: Das nennt man Prüfung. Du drehst den Spieß um, ohne dass es jemandem (vor allem dir) weiterhilft. Es ist einfach vollkommen wurscht, wie du die Bewertung bewertest. Das ist nicht das Problem: Deine Leistung war und ist das Problem. Hier ansetzten. Von hier an weiter!

Lösung: Emotion off – ratio on – implement Plan!

  1. Abstand: Du bist emotional. Das ist cool. Reiß dich aber ein bisschen zusammen – es gilt das Ganze ruhig und rational zu betrachten. Egal wie es lief. Vollkommen egal: Es gibt immer was zu tun 😉
  2. Lesen: Lies deine Klausur. Setzt dich hin und gehe deine Klausur von vorn bis hinten durch. Aufmerksam und mit Fokus auf deinen Text.
  3. Formanalyse: Haltungsnoten sind immer wichtig. Findest du deinen Text schön zu lesen – einfach, übersichtlich, klar formuliert? Schreib dir zwei Punkte raus, die deinen Text besser verständlich machen würden. Schreib dir ein Kommando für das nächste Mal auf:Wenn X abgefragt ist, werde ich genau mit Y antworten.
  4. Content matters: Dein Inhalt war nicht perfekt. Mach ihn perfekt. Was müsstest du an zwei entscheidenden Punkten anders machen, damit es eine perfekte Antwort wäre? Wahrscheinlich gibt es mehrere Punkte, reduziere es aber auf kleine Schritte – du willst dich nicht runtermachen. Du willst dich langsam verbessern. Es gibt keinen schnellen Weg von hier zur Perfektion. Es gibt nur unendlich viele kleine Schritte.

Zu guter Letzt

Streng genommen ist es vollkommen egal, wie du bewertet wurdest. Es liegt allein an dir, dass die Bewertung sinnvoll wird. Du bist für dich verantwortlich. Nur du. Setz dich auf den Fahrersitz und take action. Hattest du bis jetzt immer Pech?

Dann sorg dafür, dass es nicht mehr auf Glück ankommt.

 

Keep up the good work!

 

Jan-Felix

 

Beitragsserie: Motivation

Motivation

Wir haben die perfekte Lerntechnik (nicht), den perfekten Lernplan, eine Lerngruppe eine Liste mit Aufgaben und einen Stapel frisch gekaufter Bücher… nur… Leider liegen wir auf dem Sofa, haben gerade mit Schrecken festgestellt, dass schon wieder ein ganzer Nachmittag verschlafen wurde und vertrösten uns ein wenig damit, dass wir jetzt immerhin drei Folgen Big-Bang-Theory im Schlaf angeschaut haben. Immerhin etwas…

Sich fürs Lernen zu motivieren ist tatsächlich kinderleicht. Kein Problem. Echt! …

…Gib mir eine Waffe, ein volles Magazin und ich wette, ich könnte dich wirklich sehr schnell dazu bringen, dass du dich vor dein Lehrbuch setzt… Ich habe aber keine Waffe, bin dafür eigentlich auch recht dankbar und selbst wenn… ich würde sie dir nicht an den Kopf halten. Versprochen!

Gleichzeitig muss man dir wahrscheinlich keine Waffe an den Kopf halten, damit du mit einer an Obsession grenzenden Akribie deine Klamotten zusammenstellst, deine Frisur herrichtest, dein Zimmer aufräumst, den letzten Spieltag analysierst, die letzten 400 Sinatra-Songs auswendig lernst… oder was auch immer DEIN einzigartig merkwürdiger Spleen ist.

Der Punkt ist: Wir alle können uns für irgendetwas motivieren (Schoki! Fußball! Hunde! Katzen!) und wir können alle super andere motivieren (auch ohne Waffe… wir haben unsere Wege). Nur das mit der Motivation dann, wenn es so vernünftig wäre… das klappt irgendwie nicht.

In der nun folgenden Beitragsserie werde ich der Motivation mal etwas näherrücken und nach und nach folgenden Situationen nachgehen, in denen sich Motivation regelmäßig in der hintersten Schrankecke versteckt hält.

  1. Warum studiere ich das?
    Das Studium ist für dich ein „Job“ und du hast eigentlich keine Ahnung, warum du studierst?
  2. Wozu brauche ich das?
    Du Studierst gerne, hast aber ein bestimmtes Fach, für das du dich einfach nicht aufraffen kannst?
  3. Wie fange ich an?
    Du bist gerne Student, du kannst dich nur einfach nicht zum Lernen aufraffen?
  4. Kann ich es überhaupt?
    Du lernst eigentlich viel, schreibst nur einfach keine guten Noten?
  5. Wie soll ich das alles schaffen?
    Dir ist das alles zu viel und du fühlst dich überfordert?

Dahinter steckt schon ein bisschen Wissen und ein paar Techniken, die ich selbst anwende, aber auch die Lust mich in das Thema noch ein bisschen mehr einzuarbeiten.

Bis dahin findest du mich in der Abteilung: Vorfreude!

Alles Liebe

Jan-Felix

PS: Hast du einen Trick, der dich aufweckt, dir den notwendigen Tritt in den Hintern gibt, oder brauchst du keine Tritte? Anyway: Teile diesen Beitrag doch mit lieben Menschen, denen du einen transcomputalen Boost schicken möchtest.

Mehr Abwechslung beim Lernen – learning by doing

Abwechslung

 

Abwechslung, oder: warum Lernen nervt

Denken wir ans Lernen, dann sehen wir uns förmlich einsam und allein an einem Schreibtisch sitzend. Etwas gekrümmt, die Ellenbogen aufgestützt und das Gesicht direkt über einem dicken, staubigen Buch. Seltener denken wir an Spaziergänge, entspannte Treffen mit Freunden und lockerem Schwingen in der Hängematte. Vieles spricht aber dafür, dass wir mit größerer Abwechslung nicht nur entspannter, sondern auch wesentlich effektiver lernen können. Dazu müssen wir nur das ein oder andere berücksichtigen…Dieser Beitrag ist #7 der Serie „Die 10 Goldenen Lernregeln“. Hier gehts zur Übersichtsseite der Lernserie.

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