Wie lange lernt man am besten?

Sich einmal richtig in eine Lernmaterie zu vertiefen, hat viele Vorteile. Doch zu lange am Schreibtisch zu sitzen, kann mitunter mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. In diesem Blogpost geht es darum, wie du herausfinden kannst, was die optimale Länge für deine Lerneinheiten ist – und wann mal wieder Zeit für eine Pause ist.

Dieser Beitrag ist Teil der Serie: „Die 10 Goldenen Lernregeln“. Zum Übersichtsartikel der Serie gelangst du hier.

Am Anfang war die Erinnerung

Erinnerst du dich noch an deinen ersten Tag an der Uni, an der Schule oder deinen ersten Arbeitstag? Wahrscheinlich nicht in allen Details, aber sehr wahrscheinlich wesentlich besser als an den… sagen wir: vierten Tag, oder?

Jetzt: Erinnerst du dich an deinen letzten Tag an der Uni, der Schule, bei der Arbeit? Erneut: Wahrscheinlich fehlen dir ein paar Details, aber du erinnerst dich sehr viel besser und einfacher als an den… sagen wir jetzt: vorvorletzten Tag.

Wie machst du am besten Pause? Was gilt es in der Lernpause in jedem Fall zu vermeiden? Darauf und auf weitere Fragen, gehe ich in diesem Artikel ein.

Das psychologische Phänomen dahinter nennt man auch „Primacy- und Recency-Effekt“. Primacy-Effekt deshalb, weil wir uns an den Anfang eines Ereignisses besonders gut erinnern können und Recency-Effekt deshalb, weil wir uns an letzte Momente eines Ereignisses besser erinnern als an all das, was zwischen Anfang und Ende lag.

Weniger Kürzer ist Mehr!

Good News: Dieser Effekt ist der Beweis dafür, dass „weniger“ – einmal mehr – „mehr“ ist.

Doch… wie lange lernt man am besten?

Nun, dazu musst du die folgenden drei Punkte beachten:

  1. Der Primacy und Recency-Effekt bezieht sich immer auf einen thematischen Zusammenhang. Plane die Lerneinheiten so, dass sie einen abgeschlossenen Themenblock darstellen. Dazu musst du nicht immer ein ganzes Kapitel lesen, es reicht schon, dass du dir vorher (!) – also unmittelbar bevor du anfängst zu lesen, zuzuhören oder zuzuschauen – ein oder zwei konkrete Fragen aufschreibst, die dir die folgende Lerneinheit beantworten soll. Dadurch liest du fokussierter und kannst auch Dinge, die nicht zu deiner Frage beitragen, schneller als irrelevant überspringen.
  2. Wir brauchen ungefähr 5-15 Minuten, um uns in ein Thema einzudenken. Auch wenn der Primacy- und Recency-Effekt vordergründig dazu animiert, alle 2 Minuten Pause zu machen, so würde eine solche Vorgehensweise allein schon deshalb zum Scheitern verurteilt sein, weil wir zu diesem Zeitpunkt noch keine relevanten und neuen Informationen aufgenommen hätten. Gib dir also 15 Minuten zum „Reinkommen“, 15 Minuten zum Begreifen und 15 Minuten, um eine kurze Zusammenfassung (Notizen, Bilder, Mindmaps) von dem gelesenen Stoff anzufertigen. Dieses Zeitfenster ist dabei nicht sklavisch einzuhalten. Wenn du 10 Minuten länger brauchst: kein Problem! – Wenn du 10 Minuten schneller bist: auch super!
  3. Erlaube dir in deiner Lerneinheit keine Ablenkungen. Deine Eingangsfrage gibt die Richtung vor und anhand der abschließenden Zusammenfassung kontrollierst du, ob deine Frage beantwortet wurde. Falls ja: gut! Falls nein: Auch gut – schreibe auf, welche Fragen du vorher beantwortet haben musst, bevor du die ursprüngliche Frage wirst beantworten können. Notiere dir Gedanken, die nichts mit der Frage zu tun haben auf einem separaten Zettel; so kannst du diesen Gedanken später aufgreifen, wenn deine Lerneinheit vorbei ist.

Wrap it up – Zusammenfassung!

Wir erinnern uns an Anfang und Ende mehr und besser als an alles andere in einer Lerneinheit. Das können wir ausnutzen! Mit einem Fragenfokus und einer klaren Abfolge immer gleicher Lernschritte bauen wir zudem die notwendige Routinen auf, die uns helfen kann, in kürzeren Lerneinheiten mehr zu lernen.

Wie machst du am besten Pause? Was gilt es in der Lernpause in jedem Fall zu vermeiden? Darauf und auf weitere Fragen, gehe ich in diesem Artikel ein.

 

uuuund… Action!

Bevor du dich das nächste Mal hinsetzt, um etwas zu lernen, mache Folgendes:

  1. Du schreibst dir eine konkrete Frage auf, die du in dem folgenden Lernabschnitt beantwortet haben möchtest.
  2. Du legst dir einen Zettel parat, auf dem du alle unwichtigen Gedanken „parken“ kannst, um sie nach der Lerneinheit weiterzuverfolgen.
  3. Du schreibst am Ende der nächsten Lerneinheit die Antwort auf deine Eingangsfrage auf oder formulierst neue Fragen, aus denen sich später weitere Lerneinheiten ergeben werden.

Ich hoffe, dass dir der Artikel weiterhilft und/oder wertvolle Anregungen für dich enthält.

Liebe Grüße

Jan-Felix

P.S. Wie lang sind deine Lerneinheiten? Teilst du dir deine Zeit anders ein oder überhaupt nicht und hast damit gute oder schlechte Erfahrungen gemacht? Teile deine Gedanken, Meinungen und Fragen gerne unten als Kommentar!

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Jan-Felix

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