Wie du Lernen zu deiner Gewohnheit machst

Wie viel denkst du über das Laufen nach, wenn du läufst? Wie viel über das Fahrradfahren, wenn du Fahrrad fährst? Wie bewusst trinkst du morgens deinen Kaffee, Tee oder wie fokussiert bist du beim Zähneputzen? – Die Wahrscheinlichkeit ist relativ groß, dass zumindest ein paar der oben beschriebenen Handlungen für dich zu Gewohnheiten geworden sind. Gewohnheiten, die ganz “automatisch” ablaufen, fast so, als seien wir programmiert.

Dies ist Teil 2 der Reihe: “10 Goldene Lernregeln”. Du hast den Rest verpasst? Hier geht’s direkt zur Artikelübersicht. Du möchtest diesen Artikel lieber zusammengefasst? Hier kommst du gleich zur Zusammenfassung.

Gewohnheit oder Reflex?

Tatsächlich sind gewohnte Verhaltensmuster mit körperlichen Reflexen verwandt und körperlichen “Programmabläufen” sehr ähnlich. Sie sind ähnlich eingespielt, ähnlich hartnäckig und in vielen Fällen ähnlich praktisch… Aber längst nicht in allen Fällen! Wie praktisch das abendliche Bier vor dem Fernseher tatsächlich ist, mag jeder für sich beantworten… Ein Konsens lässt sich wohl aber darüber erzielen, dass es nicht die Beste aller Gewohnheiten ist, Fristen stets bis zum (aller)letzten Moment auszureizen. Verrückt ist, dass die allermeisten Handlungsabläufe eingeübte Gewohnheiten sind. Gewohnheiten, bei denen das Bewusstsein ausgeschaltet wird. Gewohnheiten, die sich festgesetzt haben und nur schwer zu ändern sind. Irgendwie eine komische Vorstellung, dass wir die meiste Zeit unbewusst einfach so dahinleben…

Das bin halt ich… ich bin so!

Viele resignieren beim Anblick eigener Gewohnheiten oder heroisieren sie gar zu einem trotzigen “so-bin-ich-halt”. Ob es das hundertfache aktivieren der Snooze-Funktion, das schon angesprochene Fernsehbier oder aber der minütliche Blick auf die E-Mail-Inbox ist: Neben den nützlichen Gewohnheiten, existieren auch zahlreiche Gewohnheiten, die uns etwa im Lernalltag massiv im Wege stehen. Die gute Nachricht ist: So, wie wir uns ein Verhalten angewöhnt haben, so können wir uns dieses Verhalte auch wieder abgewöhnen… Erfordert das Laufenlernen in den ersten Jahren eine große Willensanstrengung, ist es für uns heute dagegen ein wahres “Kinderspiel”. Stand dem ersten Kaffee noch ein ziemlich unangenehmer, bitterer Geschmack im Wege, “genießen” wir heute das gleiche Gesöff 😉 – warum? Weil das Hirn gelernt hat, bestimmte Wahrnehmungen mit einem bestimmten Verhalten in Verbindung zu bringen und dieses Verhalten zu belohnen…

Don’t drink and learn

Jede Gewohnheit funktioniert im Grunde gleich: Eine bestimmte Umgebung (Schreibtisch mit Laptop darauf), löst bei uns eine bestimmte Reaktion aus (öffne Facebook). Hat unser Hirn in der Vergangenheit gelernt, dass dieses Verhalten belohnt wird (10 neue Likes!), benötigt es diese förmliche Belohnung gar nicht mehr. Mit dem trainierten Verhalten (öffne Facebook), schüttet das Hirn sofort Belohnungshormone aus (ganz ohne Likes). Bekommen wir keine Belohnung (keine Likes ?!?), stört unser Hirn sich nur wirklich daran, solange das Verhalten noch nicht zur Gewohnheit geworden ist…

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Dieses Grundmuster ist bei jeder Gewohnheit gleich. Ist es das Rauchen, das Essen, das Trinken, das Fernsehen, das Twittern oder das Lernen. Wurden wir häufig genug für ein bestimmtes Verhalten belohnt, gewöhnen wir uns daran – ob wir es wollen oder nicht. Wurden wir auf der anderen Seite nicht belohnt (2 Wochen gelernt und trotzdem durchgefallen?!?), dann konnte das Verhalten auch nicht zur Gewohnheit werden.

Insight: An dieser Stelle sind Gewohnheiten mit Süchten verwandt! Der Unterschied zu einer echten Sucht ist, dass die Gewohnheit Belohnungshormone nur mit Wahrnehmungen verbindet. Bei einer echten Sucht hingegen, setzen bestimmte Stoffe (Alkohol) im Köper selbstständig Belohnungshormone frei. Das Hirn gewöhnt sich damit aber nicht nur an die Stoffe, sondern auch an deren Wirkung (ich lalle!). Weil wiederum der Körper lernt, mit diesen Stoffen umzugehen (brauchte es am Anfang zwei Bier zum ordentlichen Lallen, sind es jetzt schon vier!), benötigt das Hirn immer mehr von den Suchtstoffen, um das (gleiche) Belohnungsgefühl zu bekommen. Jede Sucht ist damit auch eine Gewohnheit, nicht jede Gewohnheit aber auch eine Sucht!

Wissen ≠ Machen

Es gibt Verhalten, das sehr vernünftig wäre. Das wissen wir zwar. Wir fühlen es aber nicht… Es wäre wirklich vernünftig zu lernen. Selbst wenn ich in der Vergangenheit nicht dafür belohnt wurde, weiß ich, dass es vernünftig wäre… allerdings… ich habe mich daran gewöhnt, dass, wenn ich das Lehrbuch liegen lasse und stattdessen Netflix aufrufe, dass ich dann fürs Nicht-Lernen mit Netflix belohnt werde: Bad habit to be formed! Der erste Schritt eine solche (schlechte) Gewohnheit abzustellen, ist dass ich sie als Gewohnheit wahrnehme. Wenn ich um die Gewohnheit und ihre Wirkung weiß, kann ich sie angehen.

Der Auslöser = Trigger

Wir wissen, dass Gewohnheiten nicht nur durch ganz spezielle Auslöser (Lehrbuch auf dem Schreibtisch) ausgelöst werden, sondern diese Auslöser in ihrem Umfeld verstärkt werden. Ich habe beispielsweise ständig in der Jura-Bibliothek “gelernt”, dort fleißig im Internet gesurft, aber sicher nicht produktiv gearbeitet. Der Auslösreiz “Laptop in der Bibliothek” wurde sehr viel schwächer, als ich meine Lernumgebung geändert habe. Schon in eine andere Fachsbereichsbibliothek zu wechseln und mir andere Kopfhörer mitzunehmen, hat ausgereicht, um den (all-) gemeinen Ablenkungsreiz schwächer werden zu lassen.

Die neue Gewohnheit

Die alte (schlechte) Gewohnheit “auszumerzen” genügt allerdings häufig noch nicht – die Frage ist vielmehr, wie man neue (positive) Gewohnheiten kreiert! Die Antwort ist klar: Wenn Gewohnheiten die Abkürzung des Hirns von erlebtem Auslöser unmittelbar zur Belohnung sind, dann muss ich mich aktiv und so massiv wie möglich, für das erwünschte Verhalten belohnen.  Das funktioniert im Studium oder in der Schule leider noch nicht von selbst, weil die Lehrkultur in den Hörsälen und Klassenzimmern dieser Republik leider noch viel zu sehr auf Bestrafung abzielt. Wenn ich aber dafür bestraft werde, dass ich nicht richtig gelernt habe, folgt daraus gerade für die Zukunft nicht zwingend, dass ich besser lernen werde. Durch Bestrafung lerne ich nur zu vermeiden. Durch Belohnung lernen wir hingegen, was wir tun sollten. Deshalb wäre es wirklich sehr viel besser, würden wir im Unterricht für dasjenige gelobt, was wir (wenigstens im Ansatz) richtig gemacht haben als ständig nur korrigiert… das aber, ist ein anderes Thema…

Belohne Dich

Für uns ist wichtig, dass wir unser erwünschtes Verhalten selbst belohnen. Macht die Uni oder die Schule das nicht für uns, müssen wir es eben selbst in die Hand nehmen! …Habe ich mich drei Stunden hingesetzt und wenigstens die Hälfte des Stoffes gelernt, den ich schaffen wollte? Super!!! Zwei extra Folgen “House of Cards”, einen Lieblingstee und den Rest des Abends faulenzen….

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Sei nicht hart zu dir, sei ehrlich! Du sollst dich nicht für Schummelei belohnen, aber für “schon-mal-halb-geschafft” schon, Belohnst du dich oft genug für “halb-gut”, dann stehen die Chancen gut, dass daraus mit Gewöhnung irgendwann “ganz-gut” und schließlich “super-gut” wird 😉

Auch das Lernen braucht Gewöhnung

Ist das Lernen für uns keine Gewohnheit, sondern müssen wir uns täglich ganz bewusst hinsetzen, verbraucht unser Gehirn ungleich mehr Energie. Gewöhnung ist also gewissermaßen der “Energiesparmodus” des Gehirns. Das bedeutet leider auch, dass Lernen für uns ungleich anstrengender ist, wenn wir uns noch nicht an regelmäßiges Lernen gewöhnt haben. Sei gerade am Anfang deshalb nicht zu streng mit dir! Plane und belohne dich für kleinere Lerneinheiten – und du wirst schon nach wenigen Einheiten merken, dass es dich immer weniger Überwindung kostet, dich an den Schreibtisch zu setzen. Weniger Überwindung aber bedeutet, dass wir uns langsam gewöhnen. Haben wir uns gewöhnt, ist es weniger anstrengend und wir können fast automatisch leichter (und damit auch länger) lernen.

Zusammenfassung

Wir sind Gewohnheitstiere und lernen über Belohnung bestimmtes Verhalten zu automatisieren. Leider bringt das auch manch unerwünschten Gewohnheit mit sich. Diese Gewohnheiten können wir abschwächen, indem wir die Umgebung ändern, in der die Gewohnheit typischerweise ausgelöst wird. Durch aktive (und wirklich ganz unbescheidene) Belohnung auch nur halb-richtigen Verhaltens, können wir im Gegenzug erwünschtes Verhalten automatisieren. Bevor du dich also wieder einmal grämst, weil du nur einen Bruchteil von dem gelernt hast, was dein Lernplan dir gesagt hat: Belohne dich dafür, dass du überhaupt etwas gemacht hast… und teile diesen Beitrag auf Facebook 😉
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Attention: Affiliate!

Ist das nicht verrückt? Als ich das erste Mal über das sog. “habit-forming” gelesen habe, konnte ich gar nicht genug lesen… Finde heraus, wie Gewohnheiten Flugzeugabstürze verursachen, durch kleine Änderungen an Nahrungsmittel-Verkaufsständen, Bombenanschläge in Krisengebieten verhindert werden und die Anonymen Alkoholiker zu einer der erfolgreichsten Organisationen überhaupt wurden. Auch darüber berichtet Charles Duhigg, in: “Macht der Gewohnheit”. Wenn dich schon die Story nicht packt, dann vielleicht wenigstens die Tatsache, dass du lernst deine Aufschieberitis loszuwerden* 😉

Ähnlich, aber mehr auf ein gezieltes Training der Selbstdisziplin ausgerichtet: Die Macht der Disziplin – Wie wir unseren Willen trainieren können.*

Du möchtest dein Lernalltag effizienter gestalten, brauchst aber noch die ein oder andere Technik, damit das klappt? Melde dich hier zu meinem Workshop am 19.November 2016 in Freiburg an. Er ist kostenlos – was hast du zu verlieren?

Weißt du, was mich ultimativ dazu gebracht hat, nichts mehr schleifen zu lassen? Ich habe mich daran gewöhnt überall Notizbücher (wirklich überall) zu deponieren. In diese Notizbücher trage ich wirklich alles ein und erfasse es so, dass ich stets an alle relevanten Dinge erinnert werde. Das ist in etwa die Methode, die in “Wie ich die Dinge geregelt kriege”* beschrieben ist und mir wirklich weiterhilft.

* Das ist ein sog. affiliate-Link. Das bedeutet, dass, solltest du Produkte im Anschlussan einen Klick auf diesen Link kaufen, ich eine kleine Provision erhalte. Mit dieser Provision finanziere ich diesen Blog, Danke! An den Preisen ändert sich dadurch für dich selbstverständlich nichts.

Jan-Felix

Hallo, ich bin Jan-Felix Kumkar, Lerncoach und Dozent. Hier versorge ich dich mit wertvollen Tipps, wie du motivierter und effektiver durchs Studium kommst und dabei den Spaß nicht verlierst. Hast du Fragen zum Studium, zum Lernen oder Wissensmanagement? Ich freue mich über eine persönliche E-Mail!