Viel gearbeitet und trotzdem schlechte Noten? (wie du Motivationstiefs hinter dir lässt)

Hey Jan-Felix, ich arbeite schon seit nem halben Jahr nach Plan, aber meine Klausurnoten werden einfach nicht besser – ich weiß nicht weiter, bin total frustriert: was kann ich tun? – Annika, Dranbleiberin aus Frankfurt
Hey Annika,
vielen Dank für deine Frage. So (oder so ähnlich) geht es sicherlich nicht nur dir. Das verflixte Spiel mit den Noten. Kriegen wir aber hin 😉

I. Was Noten eigentlich sind (und was nicht)

Lass uns zuerst mal erinnern, was Noten überhaupt sind. Als Dranbleiberin weißt du das (ansonsten kannst du hier noch einmal nachlesen), aber es ist wichtig, dass wir uns das immer wieder klarmachen:

Noten sind die auf einen Begriff runtergekochte Meinung (1.) einer bestimmten Person (2.), zu einer bestimmten Zeit (3.), zu einer bestimmten Leistung (4.) von dir.

Das ist wichtig. Lass uns mal anhalten und das klipp- und klarstellen:

  1. Noten sind eine Meinung einer anderen Person. Sie sind kein Faktum, sie sind niemals objektiv (das ist auch nicht ihr Sinn und taugt per se nicht als Vorwurf). Mit Noten umgehen, bedeutet daher auch, dass wir mit Meinungen anderer Menschen über uns umgehen können. Das ist leichter gesagt als getan, klar.
  2. Noten sind auch nur die Meinung einer anderen Person: Das schockiert häufig. Weil Noten als Zahl daherkommen, meinen wir häufig, dass sie auf glasklaren Standards basieren müssten. Das ist nur sehr sehr selten der Fall. Mach dir also klar, dass identische Leistungen von anderen Menschen anders beurteilt werden können (und häufig auch werden).
  3. Damit nicht genug: Noten werden auch von ein und derselben Person unterschiedlich vergeben. Ein und dieselbe Leistung sieht immer anders aus, je nachdem mit welcher Leistung wir sie konkret vergleichen.
  4. Noten beziehen sich nicht auf DICH, sondern auf etwas, was du getan hast. Nicht du bist „ausreichend“ oder „mangelhaft“, sondern eine Leistung, die du abgegeben hast, hat eine sehr spezifische Anforderung nicht erfüllt. Überhaupt nicht ausgeschlossen ist, dass dieselbe Leistung andere Anforderungen easy erfüllt: Ein brillianter anwaltlicher Schriftsatz wäre ein lausiges wissenschaftliches Paper. Noten sind immer kontextbezogen, sie sagen (für sich) nichts aber auch gar nichts über dich als Person aus.

II. Wie geht man mit einer schlechten Noten um?

Egal wie abgeklärt du auch bist. Schlechte Noten machen etwas mit dir. Sie kränken und frustrieren doch, sie rütteln an dir.

Das ist vollkommen okay.

Emotionen sind kein „Fehler“ – schon gar nicht gibt es „falsche“ Emotionen.

Wie effektiv ist es, wenn man dir sagt: „Reg dich nicht so auf“!?

Wahrscheinlich nicht so.

Emotionen kann man nicht einfach abstellen. Wäre ja auch noch schöner: Klick… und du bist ein Zombi… also ich fände sowas mäßig compelling.

Abstand, Ruhe und Fokus zurückgewinnen

Emotionen zuzulassen, bedeutet aber nicht, dass du dich ihnen ergeben musst. Wenn du merkst, wie du dich gerade aufregst, wie du dir leid tust und wie du einfach nur noch heulen möchtest:

Hör sofort auf.

Mach ne Pause.

Nicht für immer – nur ganz kurz.

Mach etwas, das dir jetzt gut tut. Hör ein schönes Lied (oder zehn), geh spazieren, trink einen Cappuccino: Was auch immer… Schwimmen, Sauna, Wandern: You name it!

Schlecht gelaunt und traurig bewegst du nichts. 

Wenn du dann wieder auf dem Deich bist, dann setz dich wieder hin, atme tief durch und dann:

Steh zu deinen Fehlern! (Schlechte Noten sind nicht gut)

Das bedeutet nicht, dass du wieder zurück in die schlechte Laune zurückfallen sollst.

Es heißt, dass du jetzt das Lenkrad wieder in den Händen hältst.

Suche die Punkte, die dir angekreidet wurden. Finde noch mehr, was nicht optimal lief und schreib es auf.

Was nur im Kopf ist, ist schnell wieder verflogen. Schreib es auf!

Klare Analyse übertrifft alles

Zu jedem Fehler gibt es eine Lösung. Finde sie. Schreib sie auf.

Man sagt dir, deine Sätze seien unverständlich?

Schreib sie so auf, dass sie verständlicher sind.

Du bist mit der Klausur nicht fertig geworden?

Mach dir einen Plan, wie du schneller schreibst und weniger Text für mehr Inhalt brauchst.

Wichtig ist, dass du dir eine Strategie überlegst. Einen Fahrplan, wie du deine Fehler vermeidest und durch gute Lösungen ersetzt. Aber achtung:

Mehr lernen, immer mehr Zeit am Schreibtisch, ist keine Strategie!

Das ist Folter.

Fahrplan ändern

Wenn du dir konkrete Schritte aufschreibst, die du unternehmen willst, dann wirst du überprüfen können, ob du diese Schritte einhältst und ob diese Schritte Fortschritte ermöglichen.

Wenn du merkst, dass du deinen eigenen Plan nicht umsetzt – warum auch immer, dann

ändere deinen Plan!

Wenn du merkst, dass du dieselben Fehler weitermachst, dann

ändere deinen Plan!

Was auch immer du tust, wie auch immer du dich fühlst

Gib nicht einfach auf.

Gib auch nicht schwierig auf.

Gib nicht auf, sondern

ändere deinen Plan!

Weißt du noch, wie man einen Lernplan erstellt?

Das kannst du hier nachlesen (klick).

Du lässt dich immer zu schnell ablenken?

Versuchs mal hiermit (klick).

Konzentriere dich aufs Wesentliche (was ist eigentlich dein Ziel?)

Niemand ist perfekt und niemand liefert perfekte Leistungen.

Perfektion ist eine Richtung – kein Ziel. 

Du machst Fortschritte, wenn du mehr richtige Dinge tust als falsche.

Wenn du von 10 Schritten 6 richtig machst: Dann bist du auf dem richtigen Weg.

Wenn du von 10 Schritten 4 falsch machst: Dann bist du auf dem richtigen Weg.

Ob du die richtigen Dinge tust, merkst du, wenn du besser wirst.

Prügel nicht auf dich ein, wenn du Fehler machst.

Wenn du merkst, dass du Fehler machst, weißt du wie du weiterkommst:

Mache diese Fehler nicht mehr!

Hab kein schlechtes Gewissen, wenn du in der Hängematte liegst.

Genieß es.

Du lernst auch, um häufiger in der Hängematte zu liegen.

Wenn du also in der Hängematte liegst, hast du bisher nicht alles falsch gemacht.

Also, alles easy 😉

  1. Tief durchatmen.
  2. Abstand nehmen. Lächeln. Bis das Lächeln nicht mehr anstrengend ist.
  3. Hinsetzen: Fehler auflisten. Alle… Wenigstens drei 😉
  4. Lösungen überlegen: Für jeden Fehler mindestens zwei.
  5. Checken, ob Lösungen funktionieren.

Was auch immer du tust. Hab Geduld.

Richtig gute Leistungen, verlangen unglaublich viele Fehler. Wer gut ist, hat vorher sehr sehr sehr viele Fehler gemacht.

Wenn du einen Fehler findest,

dann heißt das auch, dass du richtig guter Leistung einen Schritt näher gekommen bist.

Du bist awesome! Du machst das richtig, richtig gut.

Ehrlich.

Bleib dran, bleib true, bleib du 😉

Jan-Felix

Bist du schon dabei?

Bleib dran und trage dich hier in den (selbstverständlich kostenlosen) Newsletter ein!

PS: Das galaktische Beitragsfoto stammt von averie woodard @ Unsplash Thanks!

Noten halten dich vom Lernen ab (und du kannst es ändern)

gewuerflete noten

Noten sind etwas Wunderbares. Die ganze Komplexität der Welt kondensiert in einer Zahl, einem Buchstaben oder einem Wort: Sehr gut! Leider führen Noten auch dazu, dass wir nicht mehr auf die Leistung dahinter schauen. Das ist aber notwendig, damit wir mit Noten tatsächlich auch arbeiten können – egal wie sie ausfallen!

Wir lieben Zahlen (… und Noten haben doch einen Sinn)

Ganz unabhängig davon, wie du zu Noten stehst – ob du sie genial findest, sie für einigermaßen sinnvoll oder für die Ausgeburt der didaktischen Hölle hältst – sie erfüllen eine Funktion: Sie machen uns das Leben leichter.

Klar kannst du einwenden: Zu leicht! Da wäre ich sogar oft auf deiner Seite. Du kannst aber nicht leugnen, dass Noten vieles einfacher machen:

Was du in einem Fach alles weißt und was nicht, wie deine Fortschritte waren und wie nicht, wie du im Vergleich zu vielen anderen abschneidest – all das ist meist nicht sehr einfach zu erklären. Da ist es sehr viel praktischer einfach zu sagen: Kandidat A zeigt eine „befriedigende“ Leistung – was auch immer das bedeuten mag.

Kurz: Noten sind ein etablierter Code sehr komplexe Leistungszusammenhänge auf einen kurzen Begriff zu bringen.

Wir vergleichen uns soooo gerne

Stell dir mal vor, wir müssten die Leistungen aller Schüler bis ins Unendliche differenziert darstellen und es dann vergleichen. Was wäre wohl das Ergebnis?

Ich rate mal: Wir würden entweder sagen „Die sind nicht vergleichbar!“, oder wir würden uns willkürlich ein Kriterium herausgreifen und daran vergleichen.

Kandidat A kam jeden Montag zu spät, Kandidat B kam montags pünktlich und ist daher besser.

Nicht sehr überzeugend.

Dies zeigt uns zweierlei: Erstens – wenn wir vergleichen wollen, dann müssen wir vereinfachen und zweitens – wenn wir vereinfachen, dann ist es doch allemal besser, wenn die Kriterien und Begriffe vorher feststehen oder?

Niemand mag Kids, die nach Anpfiff die Regeln ändern.

Die Welt ist kompliziert (und du bist es auch)

Vereinfachung ist gut. Manchmal.

Für dich und dein Lernen bringt es nichts. Jedenfalls nicht so.

Gerade weil Noten ein vereinfachender Sammelbegriff für unglaublich viele Leistungsparameter sind, können alle diese Parameter deine Noten beeinflussen.

Du ahnst es: Es ist noch nicht einmal wirklich klar, welche Parameter genau von Bedeutung sind und schon garnicht, dass es bei jeder Prüferin dieselben oder jedenfalls die gleichen sind (bei jedem Prüfer übrigens auch nicht :-). Nicht jede Prüferin tickt gleich… du ja auch nicht. Das kannst du als Ausrede verwenden einfach zu resignieren.

Oder du packst das an, was du anpacken kannst.

Allein, dass du einmal eine gute Note hattest, bedeutet leider nicht, dass du mit derselben Leistung nochmal eine gute Note bekommen würdest.

So einfach ist es leider nicht.

Du musst besser werden in dem, was du nicht gut kannst.

Nur wenn du Prüferinnen keinen Grund mehr geben kannst, schlechte Noten zu rechtfertigen, kannst du sicher sein.

Wann ist das?

Ganz ehrlich?

Nie.

Aber, wenn du deshalb nicht anfängst, den nächsten Schritt zu gehen und das besser zu machen, was du bis jetzt noch nicht gut machst, dann…

…brauchst du mehr Glück als dir lieb sein kann.

Wer in einer Sache gut ist und in anderen schlecht, muss auf das Glück setzen, einen Prüfer zu bekommen, der die gleichen Prioritäten setzt wie man selbst. 

Wer arbeitet, kann Pech haben – wer nicht arbeitet, braucht Glück.

Shit.

Nö. Musst dich halt hinsetzen und unabhängig werden vom Glück.

Easy.

Strategie: Automatisiere Reaktionen (IFTTT)

Auf Noten zu schauen, ist eine kontraproduktive Gewohnheit. Das nervt.. .but hey: Als Gewohnheit kannst du es ändern. Als Dranbleiber weißt du schon, wie du Gewohnheiten ändern kannst (sonst schau dir diesen Beitrag hier an – wenn du Gewohnheiten ändern kannst, kannst du fast alles ;-).

Mach’s mal konkret, dude!

Hast ja recht… Gewohnheiten sind mir nur irgendwie wichtig, sorry.

Der Schlüssel scheint mir zu sein: Hab einen Plan, was du tust, wenn du eine Note bekommst. Sei vorbereitet, wenn der Himmel auf Erden, notenmäßige Mittelerde oder eben Shit auf dich zukommt. Hab ein Szenario für jede Möglichkeit, einen Fahrplan, einen Automatismus.

Damit du nicht nachdenken musst, wenn die Emotionen zuschlagen.

Aus meinem Coaching habe ich gute Erfahrungen mit folgendem Grobmuster gemacht. Vorwarnend sei aber klargestellt, dass dieses Muster eine Richtlinie sein kann, nicht mehr. Jeder tickt anders: Auch Du tickst anders.

Case One: Heaven – gute Noten coming home!

Ausgangslage: Glückwunsch! Adrenalin war schon vor der Rückgabe der Klausur vorhanden: Jetzt schießt es durch den Körper als hätte jemand den Infusionsautomaten falsch eingestellt. Geil. Und hat Suchtpotential – mit allen Folgen (du brauchst mehr, immer mehr und gehst steil, wenn es ausbleibt).

Muster: Nachbereitung brauchst du nicht, Note war ja schon gut. Du feierst dich und dein Talent. Adrenalin wechselt den Stab mit Alkohol und Burgern. Der Lerntag hat für heute ausgedient.

Problem: Du weißt es besser. Du weißt, dass du nichts weißt. Und schon gar nicht genau, warum du diesmal diese Note bekommen hast. Und es hätte genau andersherum laufen können. Komm runter!

Case Two: Mittelerde – nichts Halbes, nichts Ganzes

Ausgangslage: Da hast du den Salat. Du bekommst eine Quittung, die dir sagt, dass du es kannst, aber auch dass du es eben nicht perfekt gemacht hast. Du bekommst die öffentliche Urkunde der Mittelmäßigkeit: Lauwarm und wäre es ein Gericht, würde man es wohl Nudeln-mit-Soße nennen. Dein Adrenalinspiegel weiß genauso wenig wie deine Zufriedenheit, in welche Richtung sie jetzt eigentlich soll.

Muster: Da du offensichtlich nicht alles falsch gemacht hast, brauchst du dir auch nicht genau anzuschauen, was falsch lief. Klar, du hattest zu wenig Zeit und kanntest Problem X nicht. Dafür brauchst du dir die Klausur nicht noch einmal durchzulesen. Weglegen!

Problem: Du weißt es besser. Mittelmaß mag keiner – nicht mal die Mittelmäßigen. Klopf dir auf die Schulter, aber nicht zu stark – es ist noch Luft nach oben. Gib dich nicht mit Ketchup zufrieden – man kann mit Nudeln so viel mehr machen!

Case Three: Shit !

Ausgangslage: Unglaube, Panik, Wut. Deine Augen huschen blitzschnell über die Klausur und suchen die Ungerechtigkeit. Da dieses Ergebnis nicht sein darf, muss irgendetwas schief gelaufen sein: Wo kann man sich über die Bewertung beschweren?

Muster: Erstens weißt du selbst, dass du nicht super warst. Warum nochmal anschauen? Warum solltest du dir das antun? Zweitens war die Bewertung auch streng, unfreundlich formuliert und sowieso: Ungerecht. Dafür kannst du ja nichts!

Problem: Es kann sein, dass die Bewertung ungerecht ist und das man die Kritik, die du abbekommst, auch anders formulieren könnte. Der Witz ist nur (echt lustig): Du hast die Klausur geschrieben, um bewertet zu werden. Es hat einen Sinn, dass nicht jeder seine eigene Leistung bewertet: Das nennt man Prüfung. Du drehst den Spieß um, ohne dass es jemandem (vor allem dir) weiterhilft. Es ist einfach vollkommen wurscht, wie du die Bewertung bewertest. Das ist nicht das Problem: Deine Leistung war und ist das Problem. Hier ansetzten. Von hier an weiter!

Lösung: Emotion off – ratio on – implement Plan!

  1. Abstand: Du bist emotional. Das ist cool. Reiß dich aber ein bisschen zusammen – es gilt das Ganze ruhig und rational zu betrachten. Egal wie es lief. Vollkommen egal: Es gibt immer was zu tun 😉
  2. Lesen: Lies deine Klausur. Setzt dich hin und gehe deine Klausur von vorn bis hinten durch. Aufmerksam und mit Fokus auf deinen Text.
  3. Formanalyse: Haltungsnoten sind immer wichtig. Findest du deinen Text schön zu lesen – einfach, übersichtlich, klar formuliert? Schreib dir zwei Punkte raus, die deinen Text besser verständlich machen würden. Schreib dir ein Kommando für das nächste Mal auf:Wenn X abgefragt ist, werde ich genau mit Y antworten.
  4. Content matters: Dein Inhalt war nicht perfekt. Mach ihn perfekt. Was müsstest du an zwei entscheidenden Punkten anders machen, damit es eine perfekte Antwort wäre? Wahrscheinlich gibt es mehrere Punkte, reduziere es aber auf kleine Schritte – du willst dich nicht runtermachen. Du willst dich langsam verbessern. Es gibt keinen schnellen Weg von hier zur Perfektion. Es gibt nur unendlich viele kleine Schritte.

Zu guter Letzt

Streng genommen ist es vollkommen egal, wie du bewertet wurdest. Es liegt allein an dir, dass die Bewertung sinnvoll wird. Du bist für dich verantwortlich. Nur du. Setz dich auf den Fahrersitz und take action. Hattest du bis jetzt immer Pech?

Dann sorg dafür, dass es nicht mehr auf Glück ankommt.

 

Keep up the good work!

 

Jan-Felix

 

Gut gelaunt lernt’s sich besser – die Stimmung zum Lernen

gute Stimmung

Natürlich ist Lernen ein strategischer Vorgang, natürlich ist Lernen etwas, das Fleiß und Beharrlichkeit voraussetzt. Lernen ist aber auch etwas, das in besonderer Weise von unserer Stimmung abhängt. In diesem Beitrag geht es um unsere Emotionen – und darum, wie wir unsere Stimmung „auffangen“ können, wenn sie mal in den Keller geht.

Dieser Beitrag ist Teil der Serie „Die 10 Goldenen Lernregeln“. Zu den weiteren Artikeln und dem Übersichtsbeitrag, gelangst du hier.

Es gibt nichts Schlimmeres als…





Es ist schon ziemlich schräg, oder? Den meisten Studis geht es materiell gesehen ziemlich gut. Die Karriereaussichten – selbst mit nur mäßigen Noten oder sogar ganz ohne Studienabschluss – sind nicht unbedingt so, dass man sich zwingend Sorgen machen müsste… und doch: Studis fühlen sich viel häufiger gestresst als der Rest der Otto-Normal-Bevölkerung und sind insbesondere in Prüfungszeiten geradezu obszön selbstmitleidig.

Als würde der Weltuntergang drohen.

Droht er aber nicht. Jedenfalls nicht wegen der anstehenden Prüfung(en). Nein, auch nicht, wenn es das Examen ist und… nein, auch nicht, wenn man die Prüfung nicht besteht  oder durch das Examen rasselt …

Natürlich gibt es Angenehmeres als etwas nicht zu bestehen. Natürlich. Aber es gibt eben auch Schlimmeres. Deutlich! Und wir sollten uns daran erinnern. Auch wenn es kitschig klingen mag: Es gibt so viel Schönes auf der Welt, in unserer Welt: Lasst uns daran denken!

In 3 Schritten von hier nach dort

Das vielleicht dämlichste an Selbstmitleid und selbstinduzierter depressiver Grundstimmung ist, dass es dem eigenen Vorhaben mehr als alles andere abträglich ist. Wie wahrscheinlich ist es wohl, dass ich mich aufraffen kann, auf die Prüfung zu lernen, wenn alles, was ich mit der Prüfung verbinde, die Angst ist, dass ich sie schlecht schreiben könnte?

Um ordentlich zu lernen, brauchen wir eben nicht nur eine gute Strategie, wir brauchen auch eine Stimmung, in der wir in der Lage sind, etwas Neues zu schaffen. Genauer sind es „drei S“:

1. eine konstruktive Stimmung, 2. eine konstruktive Story und 3. eine konstruktive Strategie.




1. Heb deine Stimmung!

Schlechte Laune ist ein klares Anzeichen dafür, dass du nicht zufrieden bist. Ach nee… Doch warum sind wir unzufrieden? In der Regel, weil etwas nicht so abläuft, wie wir uns das vorstellen. Identifiziere folgende mögliche Ursachen:

a. Dein Körper rebelliert – Bist du verkatert, müde, hast du Durst oder Hunger? Du wirst lachen, aber verdammt häufig ist nichts weiteres Ursache schlechter Laune als ein grummelnder Magen, eine trockene Kehle oder eine laufende Nase. Wenn dein Körper dir diese Signale sendet, dann lass alles stehen und liegen und kümmere dich erstmal hierum. Vorher wird es nicht besser.

b. Du bist frustriert – Wenn die Dinge anders laufen als du dir das vorstellst, kann das zum einen Ursachen haben, die du kontrollieren kannst (Bsp: Wenn du bessere Noten schreiben möchtest, bereite dich besser vor) und zum anderen Ursachen, die du nicht kontrollieren kannst (Bsp: Der Dozent spricht so undeutlich, man kann ihn einfach nicht verstehen). Konzentriere dich lieber auf die Umstände, die du in der Hand hast – und überlege, wie du deine Frustration überwinden kannst!

Es klingt abgedroschen, ist aber einfach wahr: Der Fokus auf das, was dich unzufrieden macht, ist destruktiv. Fokussiere dich stattdessen auf folgende zwei Fragen:  Was ist das gute an der Situation? – Und was kannst du unternehmen, um die Situation (wenn auch nur ein Stück weit) zu verbessern?

2. Was ist deine Story?

Wir alle erzählen eine Geschichte von uns. Vor uns selbst, vor unseren Freunden, vor unserer Familie. Diese Geschichte kann sein: „Ich kann das nicht, ich versuche alles, doch ich habe immer Pech“. Diese Geschichte kann aber auch sein: „Ich könnte wenn ich wollte, ich will aber nicht, weil ich nicht muss. Mein Vater hat eine Kanzlei und Verbindungen, ich habe Beziehungen und die werden mich schon irgendwo hinbringen“.

An diesen Geschichten ist objektiv betrachtet überhaupt nichts falsch. Aber trotz allem sind es „nur“ Geschichten – die nicht nur vollkommen willkürlich gewählt und erzählt werden, sondern die auch in keinster Weise irgendwie weiterbringen: Denn in diesen Geschichten bist du abhängig vom Rest der Welt und kannst selbst nur wenig beeinflussen.

Mach dir klar, dass du deine Geschichte jederzeit ändern kannst! Selbst wenn du in der Schule eher „der Faule“, „der Pausenclown“ oder „die Unsportliche“ warst. Jetzt ist jetzt und du kannst dich in jedem Moment dazu entscheiden, eine neue Story von dir zu erzählen. Nichts und niemand hält dich davon ab.

Natürlich werden einige Personen diese neue Geschichte belächeln und sich lustig machen. Der Witz ist nur: Egal, ob diese (destruktiven) Personen aus deiner Familie, deinem „Freundeskreis“ oder deiner WG kommen – diese Personen werden immer belächeln, lästern und sich lustig machen. Ob du nun schlecht gelaunt bis oder gut gelaunt, ob du an dich glaubst oder nicht. Das eigentliche Problem liegt bei denen, nicht bei dir.  Wenn es dir hilft: Sie mögen mit einem Finger auf dich zeigen – während drei Finger auf sie selbst zeigen 😉

3. Was ist deine Strategie?

Auch wenn ich wirklich sehr gerne über optimale Lernstrategien nachdenke: Nichtwissen über geeignete Lernmethoden ist für die meisten Lernwilligen ebenso wenig ein Problem, wie es ein Problem der Abnehmwilligen ist, dass sie nicht wüssten, wie man abnimmt. Der Wille, es auch tatsächlich zu tun, ist die alles entscheidende Hürde! Bevor du überlegst wie du lernst, muss du entschieden haben, dass du lernen willst. Dafür musst du in der richtigen Stimmung sein und du musst dir eine Story erzählen, in der du „ein Lerner/eine Lernerin“ bist…

Wenn du das geschafft hast, dann kehre zurück zum ersten Beitrag dieser Serie und mache dir einen Plan. Einen Plan wie du von hier nach dort kommst, jetzt, da du entschieden hast, dass du dorthin willst.

Zusammenfassung

Absolut betrachtet, jammern die meisten von uns auf ziemlich hohem Niveau. Diese Erkenntnis hilft jedoch nicht weiter. Fokussiere dich auf das, was du kontrollieren kannst und auf das, was tatsächlich ziemlich gut läuft. Hol dich selbst aus dem Tal der Tränen, schreibe deine Geschichte neu und mach dir einen Plan. Der wichtigste Schritt ist immer der nächste: Also Kopf hoch und weiter!

 

 

Alles Gute und fleißige Grüße

 

Jan-Felix

PS: Mein Persönliches Ritual, um morgens gut eingestimmt in den Tag zu starten sieht so aus: Ich notiere ca. zwei Minuten je eine sehr kleine Sache für die ich dankbar bin (mein warme Decke, meinen heißen Kaffee, o.ä.) und eine größere Sache, die ich mir für Menschen wünsche, die mir wichtig sind. Ich habe festgestellt, dass echt gefühlte Dankbarkeit jede schlechte Laune und jeden fiesen Gedanken abstellt… Versuch mal ängstlich und dankbar gleichzeitig zu sein. Jede Wette: Das klappt nicht 😉