Die „Nur-Noch-Mal-Eben-Schnell“ Regel (und warum sie beim Anfangen hilft)

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Schon ziemlich oft hatte ich einen super Plan, aber… es war leider gerade Wochenende, erst Wochenanfang, schon Wochenmitte oder fast schon wieder Wochenende… Wie oft schon hatte (und habe) ich gute Gründe „jetzt“ nicht anzufangen. „Jetzt“ erst mal abzuwarten.

Geht es dir ähnlich?
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Keine Lust zu lernen?

Wo ist meine Motivation?

Motivation und Lernlust fallen nicht vom Himmel. Wie bei allem, was wir tun, stellen wir uns früher oder später die Frage:

Warum mache ich das eigentlich?

Johannes studiert im sechsten Fachsemester Jura und ist gerade von seinem Auslandsaufenthalt in Italien zurückgekommen. Bald geht es in die Examensvorbereitung. Johannes hatte sich zum Gang ins Ausland entschieden, weil sowohl die Fachschaft in der Erstsemesterwoche als auch die Studienberatungsstelle darum geworben hatte. Die Hälfte seiner Kommilitonen hatte es ihm gleich getan und war auch ins Ausland gegangen.

Als ich Johannes das erste Mal traf und wir seine Studiensituation analysierten, fiel mir auf, dass Johannes ständig davon sprach, wie schlecht die Uni doch organisiert sei, was für desaströse Unterlagen in den Veranstaltungen angeboten würden und dass die neue Bibliothek die reinste Zumutung sei… Ich merkte, wie Johannes sich immer mehr in Rage redete und intervenierte an einer Stelle mit einer Frage, die Johannes sofort in die Defensive schickte (das war definitiv nicht meine Absicht und ich hätte es geschickter einleiten sollen, aber hier stand die Frage nun mal im Raum und sollte den Raum auch eine Weile nicht mehr verlassen):

Warum studierst du eigentlich Jura?

Ohne Motiv keine Motivation

Für Motivation brauchen wir ein Motiv – für alles andere fallen uns schon Ausreden ein. Ja, auch die schlechte Vorlesung, auch das schlechte Lehrbuch und auch die schlechteste Bibliothek sind letztlich nichts anderes als Ausreden. Sie helfen uns keinen Dezimeter weiter und schieben die Verantwortung für unseren Frust auf andere.

Ohne Motivation fürs Studium kann es auch keine Lernmotivation geben. Zwei Möglichkeiten: Entweder du hast verdammt miese Tage oder du lernst eben nicht. Nichtlernen statt Lernfrust ist aber auch keine Lösung.

Weißte selbst, ne?

Ein Motiv ist ein Ziel. Ein ziemlich besonderes Ziel. Es ist nämlich so vage, dass wir es sehr schwer in Worte fassen können (jedenfalls nicht in einen Satz) – dennoch ist es so konkret, dass wir bei jeder Handlung (hier und jetzt) ganz genau sagen können, ob wir auf dem richtigen Weg sind oder nicht.

Ich glaube, dass wir alle Motive haben. Wir haben sogar alle Ziele. Wir reden aber nicht gerne darüber, wir träumen nicht gerne. Vor allem nicht gegenüber anderen. Wenn wir Ziele aussprechen, dann werden wir sehr schnell dafür abgeurteilt. „Gutmensch“, „Streber“, „von Ehrgeiz besessen“, „Mütterchen“, „konservativ“, „Weltverbesserer“… die Beleidigungen, die man zu hören oder zu spüren bekommt, wenn man sich einmal traut, ganz unironisch und ohne Sarkasmus über das zu reden, zu schreiben oder zu denken, was einen antreibt, sind vielfältig. Und sie tun weh. Und sie geben Kraft.

What?

Angst vor falschen Entscheidungen

Ist es nicht so, dass wir Angst haben, die falschen Entscheidungen zu treffen – uns die falschen Ziele zu setzen? Stattdessen tun wir: Nichts. Und ärgern uns. Darüber, dass wir nichts entschieden haben. But great: Immerhin haben wir uns nicht festgelegt!

Lass mich eine rhetorische Frage formulieren: Kennst du eine Geschichte von jemandem, der an seinem Lebensende zurückblickt und seufzt:

„Hätte ich doch bloß weniger getan, weniger erlebt und weniger entschieden“!?

Ich kenne niemanden. Aber ich kenne viele, die im Rückblick verpassten Chancen, verpassten Entscheidungen und verpassten Gelegenheiten nachtrauern.

Ziele geben Richtung vor

Johannes hat übrigens beschlossen, dass er als Journalist reisen und Berichte aus aller Welt schreiben möchte. Dafür braucht man Erfahrung und möglichst gute und vielfältige Referenzen von unterschiedlichen Redaktionen und Fernseh- oder Radiostationen. Juristische Examina werden gerne gesehen – auf die Note kommt es allerdings weit weniger an als auf die besagten Referenzen.

Ist es in dieser Situation für Johannes sinnvoll, dass er „auf Teufel komm raus“ versucht, ein exzellentes Examen zu schreiben? Eher nicht.

Ein weltreisender Journalist zu werden, ist wahrscheinlich nicht dein primäres Ziel. Du magst diese Vorstellung vielleicht sogar lächerlich finden oder abwegig. Aber das Grundprinzip dürfte auf dich genauso wie auf Johannes zutreffen: Wenn du dir klarmachst, (1.) wohin du willst, (2.) was du dir für dein Leben wünscht und (3.) wie du dich dorthin arbeiten willst, dann werden die Entscheidungen auf dem Weg einfacher und du hast auf einmal auch ein Motiv, warum du dich hinsetzt und weitermachst, warum du dich durchbeißt oder warum du deine Zelte abbrichst.

 

Berufe sind nicht immer Ziele

Lass dich dabei nicht von Berufsbildern einengen. Berufe können in manchen Situationen nützlich sein – in anderen aber auch ein ziemlicher Klotz am Bein. Oder ein Brett vor dem Kopf. Oder ein Kopf vor einem Brett – wie man’s nimmt. Nicht alle von uns sind als Anwältinnen, Ärzte, Lehrer oder something something Führungskraft geboren. Doch erstaunlich viele wollen es werden, ohne es wirklich tief im Herzen werden zu wollen.

Denke nach und triff eine Entscheidung. Sonst werden die Entscheidungen für dich getroffen. Triff deine Entscheidung und übernimm die volle Verantwortung dafür. Triff DEINE Entscheidung und nicht IRGENDEINE Entscheidung. Wenn du dich in dieser Weise für dein Studium entschieden hast, dann findest du auch die erforderliche Motivation für die Prüfung. Und auch noch für die nächste 🙂

Zusammenfassung

Es ist anstrengend und man kommt sich lächerlich vor… aber Ziele formulieren, zu fantasieren und zu träumen, gibt Sicherheit und Kraft für notwendige Entscheidungen. Für große und kleine Entscheidungen. Wenn wir unser Studium und die nächste Prüfung in unseren „Plan fürs Leben“ integrieren können, dann setzen wir uns hin. Wir brauchen dabei keinen Masterplan und schon gar nicht einen, den andere uns formulieren. Aber wir geben uns eine Richtung. Ein Motiv. Das treibt uns an.

Alles Gute

Jan-Felix

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